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Johann Sebastian Bach

Konzerte für mehrere Instrumente 1:
Konzert für Cembalo
und Streichorchester in d-Moll, BWV 1052
Konzert für Oboe d'Amore
und Streicher in A-Dur, BWV 1055
Konzert für Violine und Streicher in E-Dur, BWV 1042
5. Brandenburgisches Konzert (Cembalo, Violine, Flöte, Streicher) in D-Dur, BWV 1050

Celine Frisch (Cembalo), Antoine Torunczyk (Oboe), Claire Cachia (Violine); Café Zimmermann

Aufnahme: Digital. Im August 2000 und August 2001 in der Kapelle des Spitals Notre-Dame de Bon Secours, Paris, Frankreich
Tonmeister: Hugues Deschaux

Alpha/Extraplatte 013 (Booklet in e, fr)

Gerade zu Ostern wollte ich Sie von den überall angebotenen Passionen verschonen (in der Welt gibt es ohnehin genug Passionen). Dennoch suchte ich - zusätzlich zum audiophilen Aspekt - etwas besonders Stimmungsvoll-Feiertägliches.
Da fielen mir die Alpha-CDs in die Hand, die nicht nur edel ausschauen, sondern ursprünglich vom französischen Tonguru Nicolas Bartholomee betreut wurden. Das heißt: Man kann einiges an akustischer Qualität automatisch voraus setzen.
Zudem besitzt dieses kleine französische Label den Ehrgeiz, malerische Meisterwerke nicht nur abzubilden, sondern im Booklet auch "hintergründig" zu erklären (was ohnehin zu selten passiert).
Hier soll uns die "Schokolade-Serviererin" des Schweizer Rokoko-Malers Jean-Etienne Liotard (1702-1789) in die passenden Kaffeehaus-Stimmung versetzen. Und das völlig zurecht. Denn hinter dem Ensemble Cafe Zimmermann verbirgt sich eine spannende Geschichte.
Der gar nicht so würdige Thomaskantor Bach, den wir seit einigen Jahren auch als ziemlich jähzornigen Herrn vermittelt bekommen, veranstaltete nämlich im "Zimmermann'schen Kaffeehause zu Leipzig" Konzerte. Nichts Kirchliches, dafür war ohnehin die Thomaskirche besser geeignet, sondern durchwegs weltliche Instrumental-Konzerte.

Barocke Jam-Session
In der Barockzeit bedeutete das beinahe eine Revolution: Ein Ensemble von Liebhabern, das genau so gut spielte wie ein x-beliebiges Hoforchester, traf sich zu Jam-Sessions, während die BürgerInnen und StudentInnen rundum saßen und Coffee schlürften. Hier traf man einander, und Bach war mittendrin.
Als Repertoire verwendete er - neben der anzüglich-amüsanten "Kaffeekantate" - durch viele Jahre auch seine eigenen Konzerte, die er für seine klavierspielenden Söhne umarbeitete. So entstanden die heute bekannten Fassungen für Cembalo und Streichorchester.
Die jungen Musiker des Ensembles Cafe Zimmermann spielen wirklich so mitreißend erfrischend, als würden sie manche dieser vertrauten Konzerte gerade entdeckt haben. Und das tut ungemein gut, weil jede Patina, die sich an viele Barockmusik-Platten legt, wie wegpoliert scheint.
Die Tempi springen schwungvoll und tänzerisch, und die Aufnahme fängt den Ball der Unmittelbarkeit geschickt auf.
Die Instrumente sind vor einem aufgebaut, und man erlebt die Musiker quasi als Tanzkapelle, die vergnüglich dahinswingt. Sehr angenehm, dass die Klangfarben der alten Instrumente ohne jene falsche Überhöhung abgebildet werden, die viele CDs auszeichnen, sondern dass auch das Cembalo sanft zirpt und einem nicht die Gehörknöchelchen anfräst.
Eine CD, die sich perfekt Freunden stilvoller Musik schenken lässt (zum Beispiel auch sich selbst), die auch im leisen Hintergrund barockes Entertainment bietet und dann bei realistischer Lautstärke durch ihre Vitalität fasziniert.

Ludwig Flich

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